M:O:A

Müller OpenAir

Vorab muss ich sagen, dass ich mir jedes Mal fast in die Hosen mache. Seit 22 Jahren denkt das Lampenfieber gar nicht daran, mal die Birne raus zu schrauben. Seit 11 Uhr morgens bin ich nicht mehr ansprechbar, murmle Texte vor mich hin, übe Tonsprünge, ja, ich schaue mich sogar beim Singen im Spiegel an. Für vier Zeilen, dann beschließe ich, dass mir diese Baustelle zu groß ist, um sie bis abends zu bearbeiten. Augen zu und durch.

Es ist kurz vor Acht, die rund 60 Gäste sind da, der Soundcheck war super, ich schaue in freundliche Gesichter, meine liebsten Freunde sind da, meine Eltern, Schwiegereltern, meine Kinder. Kein Grund, nervös zu sein. Und ich halte mein Wasserglas mit tatterigen Fingern, schaue meinem Gegenüber beim Reden zu, bin mit meinen Gedanken aber bei „Viva la Vida“.
Ich bin mir sicher, ich habe das beste Hobby der Welt, und doch reibt es nach wie vor die Nerven blank. Warum ich das tue? Hä? Warum springen Menschen an Gummiseilen von Brücken? Warum tauchen sie mit Haien? Es ruft Gefühle hervor, wie sonst nichts auf der Welt.

Musik macht dass es doppelt so weh tut
Musik macht dass es nicht mehr so schmerzt („Musik“, Pohlmann)

Auf der Bühne zu stehen, mit tollen Musikern zusammen zu spielen, zu singen, Musik, die einen berührt, zu machen, das ist … Das ist schwer in Worte zu fassen. Wie muss das für Menschen sein, die auch noch Geld und Ruhm dafür bekommen?
Es ist nach Acht, wir stehen auf der Holzterrasse, schauen in einen wunderschönen Garten, nette Menschen, die vor uns sitzen oder stehen und erwartungsvoll gucken. Mir zittern immer noch die Hände, Tobi legt los, „Valerie“ erklingt. Einige wippen ein bisschen, alle freuen sich. Ist das schön. Bin ich schön nervös.

6 Monate zuvor standen wir in einer Bar in Hamburg. Von ihrer geplanten Terrassenüberdachung erzählten uns die Müllers – und mit Gin Tonic und Wein in der Hand beschlossen wir, dass so etwas eingeweiht gehört. Wir malten uns aus, wie nett es wäre, in einem riesigen Garten das Publikum sitzen zu sehen, wir auf einer Holzterrasse, dazu Drinks, Häppchen, laues Lüftchen – und handgemachte Musik. Es wurde später und später, und wir schmückten in immer mehr Superlativen das Szenario aus.

Und die Frau Müller, die ist eine echte Macherin. So eine, die nicht lange fackelt. Eine Idee hat keine Chance, sich im Alltagstrubel leise und heimlich zu verziehen – die wird festgehalten, dann werden einige Punkte geklärt, eine Liste gemacht – und dann wird durchgezogen. Egal wie viel sonst noch so los ist, egal wie anstrengend Kinder oder ihr Job gerade sind. Grandios. Und so hatten wir bereits am nächsten Tag, es war der 25. Februar 2013, eine E-Mail mit Terminvorschlägen im Postfach.

Wir sind inzwischen beim letzten Lied angekommen. Alle sind glücklich, die Gastgeber haben ein fantastisches Fest ausgerichtet, das Essen, die Drinks, der Rahmen – alles ist perfekt. Und alle spielten mit: das Wetter, die Nachbarn, die Gäste und die Musiker: Tobi, ein Virtuose an der Gitarre, Arne, die Beatbox – ich kann immer noch nicht nachvollziehen, wie er diese coolen Geräusche herausbekommt, und Jan auf dem Cajon und am Mikro, ein Multitalent. Jan hat „Haus am See“ in „Classenweg“ umgedichtet, einige haben Tränen in den Augen – vor lachen. Nervös bin ich jetzt nicht mehr, die Finger haben sich beruhigt, alles ist gut. Mehr als das.

Und wir lesen in den ältesten Liedern

unsere neuesten Träume
und kommen immer wieder zu ihr zurück
um abzutauchen und Luft zu holen – Musik. („Musik“, Pohlmann)

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Das ganze Konzert (bei „Playlist“ links oben kann man die einzelnen Songs anklicken):

Ein Gedanke zu „M:O:A

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