8 Stunden und 50 Minuten bis zum ersten Kaffee


Die Abendfütterung findet heute Abend im neueröffneten Golfino-Shop statt, wo nach und nach Hamburger und Hamburgerinnen über einen roten Teppich laufen und bei Saxofonmusik die heißersehnte Golfmode begutachten können. Und ganz nebenbei natürlich umsonst essen und trinken. Silke und ich begnügen uns mit den letzten beiden Programmpunken.
Ohne einen Schimmer von Golf stehen wir im Gang und versuchen uns unauffällig zu verhalten, was fast unmöglich ist, da wir den Altersdurchschnitt um 30 Jahre senken. Fast ver-senkt werde ich dann von einem sehr stark gebräunten,sehr gelb blondierten und sehr alten Herren in orangefarbenem Poloshirt – Verzeihung – Golfshirt und pinkfarbenem Sakko. Um besser an die Tabletts zu kommen, drückt er mich in die rosarote Winterkollektion. Hemmungslos, die Alten. Auf Parties mit jungen Schickies wird zwar genauso nach den Sushi-Röllchen gegiert, aber dort bleibt man mit spitzen Fingern cool und bewahrt die Contenance.
Zwischen ergrauten Hanseaten mit super Handicaps also wir zwei – die Nullen, die Nixblicker im Bereich Golf. Unsere Tarnung hält nicht lange. Als die Spendenaktion zugunsten sozial benachteiligter Kinder mit aufgebauter Golf-Spielwiese anläuft, fliegen wir auf. Fünf Euro Spende gegen dreimal „Putten“ oder per Playstation „Abschlagen“. Die nette Promotiondame kommt auf uns zu und fragt, ob wir auch mitspielen möchten, und während ich noch die Stirn in Falten lege, fragt Silke: „Mh, Abschlag, Putten … Putten ist doch das mit dem Einlochen, oder?“ Wundervoll. Vor Lachen spucke ich fast den Prosecco auf die rosa Cardigans. In meinem Leben habe ich noch nie auf einem Golfplatz gestanden und selbst beim Minigolf bin ich stets die Letzte. Die Balance zwischen Schub und Gefühl fehlt mir, da ist nur Schub. Und der landet meist im Gebüsch hinter der Bahn.
Eine gute Figur machen wir dann natürlich trotzdem. Und als uns jeweils so der Schläger in den Händen baumelt, tröstet uns der Gedanke, dass der Laden perfekt versichert sein muss. Die Wand direkt hinter der Bahn ist komplett verglast.

Nach Hause gehe ich zu Fuß durch den spät gewordenen Winterabend, hoch zum Gänsemarkt, an vielen Geschäften vorbei. Und dann steht da der Geiger. Einsam und bei minus drei Grad schwebt sein warmer Atem über die Geige in die kalte Luft der Fußgängerzone. Mir fällt erst später auf, dass ich nicht darüber nachgedacht habe, ihm nen Euro in den Geigenkoffer zu legen, sondern darüber, warum er da steht? Um diese Uhrzeit, bei dieser Kälte, ohne Publikum. Seltsam.

Auf dem Foto: Hamburger Musikhalle, jetzt Laiszhalle, bei Nacht.

Song des Tages: Counting Crows, „Raining in Baltimore“

4 Gedanken zu „8 Stunden und 50 Minuten bis zum ersten Kaffee

  1. Rockin' Silke sagt:
  2. Rockin' Silke sagt:

    Wenn ich mir meinen Kommentar jetzt so angucke, verstehe ich langsam was diese komischen Tags sind und was sie bewirkt haben…
    Statt die kopierte Zeile zu übernehmen hat dieser schaue PC einfach gedacht, er soll nach „beispielsweise“ alles fett, kursiv und unterstrichen schreiben…
    Aber so lernt man dazu!!!

  3. Julia Emma Schröder sagt:

    First of all: Greetings back to America, Gary! So nice to see, that the World Wide Web is really working! 😉

    Silke, immerhin hast Du innherhalb von drei Minuten herausgefunden, was HTML-Tags sind – DAS soll Dir mal jemand nachmachen!! So schnell können einige Menschen noch nicht einmal drei Zeilen lesen.

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