Supergirl

„Frau Mattek, kannst Du mal gucken?“ Um die Ecke flitzt eine ältere Dame mit weißem Rossmann-Kittel, kurzen Haaren und Brille und drängelt sich durch die Menge. Drei Kassen sind besetzt, im Ausgangsbereich ist es knüppeldicke voll. Die Kassiererin reicht ihrer Kollegin den dekadenten Hundert-Euro-Schein übers Laufband, mit dem die Frau vor mir in der Schlange bezahlt hat. Frau Mattek greift sich den Schein, beugt sich etwas vor, hält ihn gen Fußboden und streicht mit dem Daumen drüber, um eine Sekunde später den Arm nach oben zu reißen und das grüne Stück Papier gegen das Licht zu halten. Mit zusammengekniffenen Augen durchleuchtet sie ihn regelrecht, reicht ihn der Kassiererin mit dem Kommentar „Ist in Ordnung.“

Fasziniert beobachte ich diese etwa zehn Sekunden andauernde Szene – Frau Mattek, der lebendige Euroscheinscanner, die Frau mit den Röntgenaugen, mit dem Blick, der durch Pore und Papier geht. Ich bin beeindruckt. Ob man sich Frau Mattek mal ausleihen kann, wenn man sich mit den eigenen Hundertern nicht sicher ist?

2 Gedanken zu „Supergirl

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