Klo & Co

Über diesen Text bin ich am Wochenende gestolpert, vor 1,5 Jahren geschrieben. Und mir wurde schlagartig bewusst: Ich schlafe wieder. In Ruhe essen oder telefonieren – das sehe ich noch irgendwo in fernen Galaxien schweben.

Seit drei Minuten stehe ich hinter der geschlossenen Klotür, drücke den Griff  nach oben, halte mit der anderen Hand den Telefonhörer ans Ohr und versuche mit den wachen sechs Gehirnzellen meiner Freundin zuzuhören.
Vor der Klotür steht meine Tochter, 2 Jahre, und versucht seit drei Minuten die Klinke herunterzudrücken. Begleitet von einem spitzen, tränenreichen, kachelablösenden Kreischbrei aus „I aaaauuuuuch!!“ und „Maahaaamaaaa!!“ Ja, ich bin ins Bad geflüchtet, telefonieren.
„Was hast Du gesagt? Ach ja, genau. Nein – sehe ich auch so … Was?“ Mir rutscht der Hörer weg, wo ist verdammt nochmal der Türschlüssel? Rausgezogen und weggelegt, damit mein Sohn sich nicht einschließt. Na toll.

Telefonieren, Zeitung lesen, zur Toilette gehen. Ganz normale Alltagsdinge. Nicht. Mit Kleinkindern zwischen 48 und 108 Zentimetern Körperlänge wird es zu einer wohl zelebrierten Besonderheit. Auch der Gang zur Toilette. Könnten alle Mütter den Satz „Wenigstens mal alleine aufs Klo möchte ich gehen!!!!“ ins Universum brüllen – es wäre ein mehrstimmiger Dauerchor.

„Mamaaaa? Kannst Du mal den Tisch abräumen? Ich will jetzt kneten.“ Ich mit freundlicher Stimme: „Bring Du doch schon mal Deinen Teller in die Küche, ich esse erst einmal mein Brötchen auf.“ Drei Sekunden später: „Mamaaaaa? Bist du fertig mit Essen?“ Ich, mit beherrschter, erklärender Stimme: „Nein, ich habe ja mein Brötchen noch in der Hand. Und ich möchte diesen Artikel mal eben zu Ende lesen. Guck mal, nur noch so lang ist der, ja?“ Zwei Sekunden später: „Mamaaaa? Bist Du gleich …“ Ich, sehr bestimmt: „NEIN! Ich möchte erst zu Ende essen und lesen!!“. Zeitgleich: „ ABER MAMAAAAA! DAS DAUERT SOOO LANGE!!“ Ich: „RUHE JETZT!!“

Kann mir jemand verraten, wie man mit einem vierjährigen chronischen Schlafmangel und halbleeren Magen nicht anfangen soll, unpädagogisch zu werden? Wer bleibt da ruhig? Hand hoch! Natürlich habe auch ich diese Mütter erlebt, die es schaffen, beim dreizehnten „MAMAAAA, ich will JEEEETZT…!!!“ engelsgleich und samtigseicht zu antworten: „Gleich, mein Schatz.“ Die sind anders. Irgendwie sind die anders.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.