Hauptstadtnächte reloaded

Mit einem Stück Metall an die Wand drücken, mit einem lauten Knall erschlagen, möglichst schnell kalt machen. Sie versucht, den Kaffee umzubringen. Mit Umrühren hat das hier jedenfalls nichts zu tun.
Nach vier Stunden Schlaf verknoten sich bei mir Neuronenketten, wenn ich unsanft geweckt werde. Dass wir „eventuell morgens etwas von der Küchen hören könnten“ ist nicht ganz richtig – „Ihr werdet definitiv aus dem Bett geschossen“ wäre die Wahrheit gewesen.

In Berlin angekommen, stellen wir freudig fest, dass die Unterkunft in Kreuzberg auf den ersten Blick weniger skurril gewählt ist als die letzte. An der Rezeption dann: „Ihr müsst durch die Küche durch, wenn Ihr in Euer Zimmer wollt“ – sofort stellt sich vor dem geistigen Auge folgendes Bild ein: Küchentür auf, durch die Küche durch, 2. Küchentür auf, raus aus der Küche, im Gang stehen, Zimmertür auf.
Die Realität hat nur zwei statt drei Türen: Küchentür auf, durch die Küche, Zimmertür auf. Um zum Klo zu kommen: Zimmertür zur Küche auf, einen Schritt nach links, Klotür auf. Bedeutet also, dass die internationalen Gäste dieser Backpackerunterkunft zweimal in den Genuss kamen, uns in frühmorgendlicher Schönheit zu betrachten.

Aber zurück zum Freitag. Die Zugfahrt mit K., die mich später mit der Info beeindruckt, dass sie mal Schlagzeugerin in einer Punkrockband war, und Freundin Sandra düst nur so durch, Berlin empfängt uns mit Sonnenschein, netterweise werden wir von A., die eigentlich nur K. abholen wollte, zum Hotel gefahren.
Abends Vietnamese und Privatparty im Mauersegler. Zwischen Guns’N’Roses und Nelly geht um zwei Uhr die Welt unter, aus dem Taxi steigen wir barfuß und laufen zum Hotel. Langsam knacken die Lungenbläschen wieder auf, die Dusche spült den Qualm und ein halbes Promill ab, das Bett fühlt sich großartig an, der Schlaf klopft, tritt ein und macht sich schnell breit.
Geweckt von dem lieblichen Geräusch besagter Kaffeekillerin, möchte ich den Kopf rausstecken und ihr „Bitte zweimal mit Milch“ zurufen, doch meine Füße fühlen sich an, als wären vier Bierflaschen darum geschnürt.

Wir verdösen den Morgen und gehen frühstücken, ich weiß nicht mehr, wie der Laden heißt, aber es gibt großartiges Frühstück dort. Kreuzberg, ums Eck vom Görlitzer Bahnhof. Bis halb Zwei schlagen wir uns die Bäuche voll und schlendern – wieder bei Sonnenschein – Richtung Hackescher Markt. Und was tun Frauen, wenn sie frei und eine gedeckte Kreditkarte haben? Sie kaufen Schuhe. Klischee erfüllt.
Die Tussis mit Schuhen fahren ans Spreeufer Nähe Ostbahnhof und essen in der Strandbar 25 in der Abendsonne.

Zackozack zurück in die Küchenstube, umgezogen und abfahrbereit werden wir zur Cateringparty abgeholt, die zwei neue Cateringwagen einweihen soll. In Charlottenburg auf einem kargen Hallengelände angekommen, stöckeln die ersten Hasen an uns vorbei, Brüste unters Kinn geschnallt und Gesicht so bis zur Unkenntlichkeit maskiert, dass Marilyn Manson ihnen den Schminkkoffer klauen würde. Aber schicke Kleider haben sie an – und warum sollte man Knöpfe an einem lauen Sommerabend auch zumachen? In Schwung kommt die Party nicht. Die halbseidene Hälfte der Gäste tanzt irgendwann zu stampfenden Beats, 80 Jahre Knast auf fünfzig Quadratmetern, die andere Hälfte isst sich durch die Cateringwagen und wir brechen um halb Eins auf.

Das Kiki Blofeld ist ein, ein – liebe Berliner, mir fehlen die Worte. Es gibt wirklich nicht sooo viel, worum ich Euch beneide, aber unter Deck an einem Bootsanleger mit Wind im Gesicht zu „Wir sind Soul“-Musik zu tanzen, mit Schummerlicht und Wasserplätschern – das ist schon ganz ganz groß. Wäre ich Berliner, ich wäre jeden verdammten Tag dort.

Heute will das Bier nicht, aber tanzen geht immer. Um drei Uhr liegen wir wieder in den Betten, entschlummern mit der sanften Hoffnung, dass die brutale Kaffeefrau auch mal ne heiße Nacht hatte.

Unsere Hoffnung kann erhört worden sein, erfahren werden wir es nie. Um halb Acht stürmt ein anderes Kommando die Küche – Schränke knallen, Rührei machen, Brot schmieren, Saft trinken – wer kann es am lautesten? Aaaaah. Ich stopfe mir Taschentücher in die Ohren und werde erst um viertel vor Zehn wieder wach, 15 Minuten reichen zum Packen, Duschen und Auschecken.

Nach einem gemütlichen Frühstück in großer Runde ein Blitztreffen mit der Spreepiratin, was sehr nett aber leider viel zu kurz ist, da wir zum Zug müssen.

Ersten Teil verpasst? Guck mal hier.
Drehtermin „Hauptstadtnächte 3. Teil“ (AT): voraussichtlich 2008

Küchenzimmer, aber mit Balkon!

Prost, Berlin!

Bar 25

Klokombüse. Links Jungs, rechts Mädchen

An der Spree I

An der Spree II

„Lebensfroh“. Klingt in diesem Fall bedrohlich.

Das Unwetter des Monats. Nachts um Vier barfuß ausm Taxi

Ganz tolle Ladennamen

8 Gedanken zu „Hauptstadtnächte reloaded

  1. Julia Emma Schröder sagt:

    @ matt: äh, ok. *denk* du bist ein femininer typ? ;-))

    @ christoph: nee, wir waren im „baxpax“. ist das yellow sunshine gut?

    @ sweet fanny adams: zum beispiel bei „alkopole“? oder „flaschen und blumen“? sind meine lieblingsbilder.
    dann ab nach berlin – da müsst ihr auftreten!

  2. Christoph sagt:

    Das Yellow Sunshine ist trotzdem gut:-)
    Ist aber eher nen vegetarischer Imbiss, aber ich war nicht sicher, ob die auch Frühstück und so haben.
    Ist gebenüber von nem Schwimmbad; wahrlich nur zu empfehlen:-)

  3. robert sagt:

    Julia, ich kann mich an eure Truppe, vielmehr an dich erinnern, du bist relativ groß, stimmts?

    Egal, „Wir sind Soul“ geht im Mai im Kiki weiter! Soweit, „WINTEREDITION“ Wir sind Soul Pt.5.

    http://soulkombinat.org/funkyberlin/?m=20080126

    Ziehe übrigens vom März bis August nach HH, vielleicht kannst du mir was empfehlen?! Suche übrigens für den Zeitraum auch ein Zimmer, vielleicht weißt du was!

    Gruß

    R.

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